Seit einiger Zeit hat sich das Frischmilch-Angebot im Kühlregal verändert: Neue Verfahren zur Pasteurisierung machen’s möglich, Frischmilch länger haltbar zu machen: Milch wird entweder fein filtriert, um Keime zu verbannen, oder sie wird kurz höher erhitzt als bislang üblich. Die durch beide Verfahren
gewonnene – im Fachhandel ESL genannte – Milch liegt quasi zwischen der herkömmlichen Frischmilch und der länger haltbaren H-Milch. Folge: Die herkömmliche Ware verschwindet immer mehr vom Markt.
Die meisten Kunden haben den Wechsel bislang gar nicht bemerkt, wundern sich aber, dass ihre Milch jetzt teilweise bis zu vier Wochen haltbar ist. Die veränderten Tüten und Flaschen sind lediglich an Aufdrucken wie
"länger frisch", "maxifrisch" oder "extra langer Frischgenuss" zu erkennen. Denn die neue ESL-Milch ist ungeöffnet und gekühlt bis zu vier Wochen haltbar, aber unterscheidet sich qualitativ kaum von der traditionellen Frischmilch. Passionierte Milchtrinker ärgert jedoch der leichte Kochgeschmack bei einigen Produkten. Je nachdem, welches Haltbarkeitsverfahren bei der ESL-Milch angewendet wird, kann sich der Geschmack verändern.
Selbstverpflichtung der Anbieter
Aufgrund des öffentlichen Drucks verständigten sich Anfang Februar das Bundesministerium für Verbraucherschutz, der Milchindustrie-Verband e. V. und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels auf eine Selbstverpflichtung zur Kennzeichnung der Milch. Sie soll helfen, die klassische Frischmilch von der
ESL-Milch zu unterscheiden. Die "klassisch" pasteurisierte Frischmilch soll nun auf der Verpackung den Zusatz "traditionell hergestellt" erhalten, ESL-Milch wird mit dem Zusatz "länger haltbar" versehen.
Lasche Kennzeichnung im Handel
Ein aktueller Marktcheck der Verbraucherzentralen
zeigt jedoch, dass die freiwillige Selbstverpflichtung von den Molkereien vielfach nicht eingehalten wird. Auffällig ist, dass Discounter bundesweit fast nur noch ESL-Milch führen. Hintergrund:
Haltbarkeitsverfahren von Milch: Da Rohmilch sehr leicht verderblich ist und gesundheitsgefährdende bzw. Krankheiserregende Keime für empfindliche Personengruppen beinhalten kann, wird die Milch in der Molkerei immer erhitzt. Frischmilch wird stets durch Pasteurisieren –also kurzes Erhitzen bei mindestens 72 Grad – haltbar gemacht. Die lange Lebensdauer von bis zu sechs Monaten bei H-Milch entsteht durch kurzes Ultrahoch-Erhitzen bei mindestens 135 Grad. Pasteurisierte Milch hat im Vergleich zur H-Milch immer einen frischeren Geschmack und ist nur gekühlt haltbar.
Vor- und Nachteile von ESL-Milch: Die neue "Frischmilch" verdankt ihren Namen dem "extended shelflife" – also dem längeren Leben im Kühlregal. Zwei unterschiedliche Verfahren sorgen dafür, dass die Milch auch nach vier Wochen noch nicht sauer ist. In dem einen Fall wird sie kurz für wenige Sekunden auf bis zu 127 Grad erhitzt. Nachteil ist ein leichter Kochgeschmack, der aber im Vergleich zu H-Milch weniger ausgeprägt ist. Im anderen Verfahren sieben die Molkereien mit mikrofeinen Filtern die Bakterien vor der Erhitzung aus. Anschließend wird die Milch wie bei aller Frischmilch üblich pasteurisiert. Wichtig: Der frische Milchgeschmack und die Nährstoffe bleiben erhalten.
Mehr zum Thema können interessierte am Ratgebertelefon der Verbraucherzentrale unter (0180) 5 70 66 00 dienstags und donnerstags von 10 bis 16 Uhr (für 0,14 Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz- Mobilfunkpreise gegebenenfalls abweichend) erfragen.
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.
